Wettkampf

Daniel

In diesem Beitrag erläutere ich die Zusammenhänge von Wettkämpfen, dem Werten und den Konsequenzen, die aus dieser Symbiose entstehen, etwas genauer. Wenn du die Macht oder besser gesagt die Ohnmacht erkennst, die sich hinter diesem Ego-Spiel verbirgt, bist du um eine wichtige Erkenntnis reicher geworden und sie wird dir helfen, weitere wichtige Schritt zu unternehmen, um deinen Hamsterräder lebe wohl zu sagen.

Wenn du das Gefühl hast, dass dir in deinem Leben deine Einzigartigkeit und damit das Recht glücklich zu sein bisher verwehrt geblieben ist, hast du dies einem speziellen Umstand zu verdanken. Du befindest dich ohne es zu wissen mitten in einem Wettkampf, in dem es kein Ende und somit keinen Sieger zu geben scheint.

Das bedeutet, dass du in einem Umfeld aufgewachsen bist, wo es nur Gewinner und Verlierer gibt. Das mag jetzt auf den ersten Blick etwas wertend rüberkommen und du hast Recht. Denn genau das ist es.  Wenn du dieses Wettkampfdenken satt hast, must du dein Leben mit allen dir zur Verfügung stehenden Sinnen leben.

Doch um dies tun zu können, musst du erst wieder dahin zurückkehren wo der Zugang zu diesen Sinnen jederzeit gewährt ist. Du musst wieder „nach Hause kommen“. Ein erster Schritt hierfür ist:

„Höre auf mit dem ständigen Bewerten.“

Die Tatsache, dass du die meiste Zeit mit deinen Gedanken nicht da bist, wo sich dein Körper gegenwärtig gerade befindet, dürfte dir sehr vertraut sein.
Mit der Aussage; „Wir sind oft nicht zuhause“ ist hier gemeint, dass der moderne Mensch die Angewohnheit hat, das meiste, dass ihm an Lebenszeit zur Verfügung steht, in seiner Gedankenwelt zu verweilen.

In dieser Welt findet „das andere Leben“ statt. Da werden Dialoge geboren, Fantasien erschaffen, Szenarien durchgespielt, Dinge konstruiert, geplant, gefreut, gelitten und diskutiert. Und vor allem, wird da gewertet und schon mal vorverurteilt, dass sich die Balken biegen. In dieser Welt mutierst du zu einem Experten, der nichts an sein Fachwissen kommen lässt. Hier übst du auch die Meisterhaftigkeit im Rollenspiel mit dem du dann nach „aussen“ auftrittst.

Jeder von uns hat vermutlich schon einmal an einem Wettkampf teilgenommen oder zumindest einen gesehen. Es gibt im Wettkampfmodus eine einzige Prämisse und die lautet,

es gibt nur einen Gewinner!

Das sagt aber auch klar aus, dass alle anderen die teilgenommen haben, Verlierer sind.
Wie du auf das „Werten“ reagierst, kannst du gleich durch die nächste Frage erfahren.

bist du der Verlierer oder bist du der Gewinnertyp?

Diese sehr persönliche Form des Wertens liegt nicht in deiner Veranlagung, was aussagen soll, dass es dir nicht angeboren ist. Mit dieser Form meine ich auch nicht den gesunden Wettbewerb, dem eine natürliche Auslese zugrunde liegt. Denn darin liegt ja die Triebkraft eines jeden natürlichen Wachstums. Nein, das was ich meine, ist diese unsägliche trügerische Verbindung zu deinem Ego, die jedes Spiel sofort ernst werden lässt. Es wird zu deiner Sache und dies macht dich angreifbar und verletzlich.

Diese sehr persönliche Form des Wertens wurde dir von Kindesalter an gelehrt oder klarer ausgedrückt, du wurdest konditioniert. Deshalb lässt du dich auch heute noch konditionieren und versuchst es auch mit anderen. Du glaubst es nicht? Dann dürften dir ja folgende Aussagen völlig fremd sein.

  • dass du ein Gewinner bist,
  • nur die besten und klügsten werden erfolgreich sein
  • nur die Starken werden überleben.

Du hast mit Sicherheit auch schon gehört wie jemand sagte,

„da musst du dich halt anpassen“.

So, oder ähnlich wurde und wird es dir immer wieder gesagt. In diesen Aussagen liegt sogar ein kleines Stückchen Wahrheit, aber eben nur ein kleines. Denn das Problem, das ich hier anspreche, liegt nicht im Zauber des Wettkampfes selber, sondern in der Ohnmacht des Werten. Es ist eben dieses konditionierte Verhalten, dieses Werten, durch das du aus einem Sieger plötzlich einen Helden, aus den Verlierern „die Anderen“ machst und diese damit zu Statisten abstempelst.

Es gibt sogar eine Logik, die dahintersteckt: Mit Sieger, die zu Helden werden, identifizierst du dich gerne und die Wirtschaft kann gut Profit mit Helden machen. Und diesen Profit holt sie sich von den Statisten und ich erinnere dich, es gibt ja jeweils nur einen Helden.

Was geschieht also, mit diesen vielen Statisten also auch mit dir, die exakt die gleiche Leistung erbracht haben und nur zweiter geworden sind? Sie verschwinden wieder unerkannt in der Masse und werden zu den Anderen. Oder kannst du mir hier spontan den zweiten Menschen nennen, der den Mond betreten hat oder sonst irgendjemanden zweiten.

Das ist nur eine Konsequenz des Wertens. Sie nimmt dir die Möglichkeit dich aus der Masse hervorzuheben und dein einzigartiges Potenzial zu entwickeln. Ausser du entschliesst dich trotzdem, an den Wettkämpfen teilzunehmen. In der Hoffnung, dieses eine Mal der Gewinner zu sein, der dann beim Namen genannt wird. Daran erkennst du das Beuteschema des Wertens.

Es ist für dich einfach zu erkennen, ob und wann du in diesem Beuteschema bist. Es ist der Zeitpunkt, wo du Dinge nicht mehr beim Namen, sondern die anderen nennst. Du erkennst es, wenn du in kleinsten Alltagssituationen in dein Beuteschema, in den Wettkampf wechselst.

Nehmen wir zum Beispiel den Supermarkt: Du schlenderst mit deinen drei Dingen Richtung Kasse und im Augenwinkel taucht plötzlich dieser gigantisch gefüllte Einkaufswagen auf, der genau auf deine Klasse zusteuert. Ohne dass du das wirklich willentlich möchtest, beschleunigen sich deine Schritte. Wenn du es dann schaffst, vor denen da an der Kasse zu sein, stellt sich bei dir ein kurzes Siegergefühl ein.

Eine andere Situation: du bist auf der Suche nach einem Parkplatz und entdeckst die vermeintlich einzige freie Möglichkeit zu parken. Da nähert sich von der Gegenseite ein Auto, dass genau auf diese Parklücke, die ja bereits für dich reserviert ist, zu. Du beginnst wie von Geisterhand zu beschleunigen
und hast nur noch einen Fokus.

Du musst erster sein. Schaffst du es auch dieses Mal, stellt sich auch hier ein kurzes Gewinnergefühl ein. Du kannst dich jetzt selber fragen, wie oft dir dies passiert. Dann stellst du dir jedoch auch gleich die Frage ob du auch der bist, der das möchte.

Du brauchst es nicht sofort zu beantworten, denn ich tue es für dich. Ja, du bist es. Ich selber kenne das Gefühl sehr gut und ich weiß nicht, wie oft ich dieses Verhalten schon an den Tag gelegt habe. Was ich jedoch weiss ist, wohin mich dieses ständige Werten und Bewerten wirklich gebracht hat: nichts das Bestand hatte!

Dabei ist doch dabei sein alles. Teilnehmen und teilhaben lassen sind wunderschöne Früchte der Menschlichkeit geworden. Hier kannst du dir die Frage stellen, wenn du wirklich nur gewinnen möchtest, mit wem willst du dann deinen Erfolg teilen? Mit den Verlierern, den anderen? Warum wählst du nicht einfach einen Takt, der zu dir passt und der die Einzigartigkeit deines Wesens wiedergibt.

Als ich dies endlich für mich erkannt habe, änderte sich etwas in mir. Ich erkannte, dass hinter diesem Wettkampftrieb ein Muster des Wertens steckte, dass niemals Frieden in mein Leben bringen konnte. So fing ich an die Quellen meines Wertens zu prüfen und zu verändern.

Martinus beschreibt hierfür eine anschauliche Lösung mit den folgenden Sätzen:

  • Das Ego sagt: Wenn alles passt, finde ich Frieden.
  • Der Geist spricht: Finde Frieden, dann passt alles.

Daniel Rieger